Untersuchungen zum Stammbaum der Fister´s

Text von Herrn Rolf Fister, Sondershausen

In Seega befindet sich seit 1693 eine Papiermühle (heute: Pappenfabrik). Sie produzierte bis zur Mitte des 19. Jh. handgeschöpftes Büttenpapier, später Pappen aller Art. Noch heute existiert sie unter der Leitung von Herrn Lutz Großstück.
Im Jahre 1751 pachtete Johann Gottfried F i s t e r, ein Papiermacher aus Königsberg, verheiratet mit einer Frau aus einer alteingesessenen Papiermacherfamilie aus Plauen (Vogtland), diese Mühle. Das Geschäft ging gut und schon 1754 kaufte er die Papiermühle und war nun Papiermacher und Eigentümer der Papiermühle Seega. So steht es mehrfach in den Kirchenbüchern Seegas.

Sein ältester Sohn, Johann Gottfried jun., übernahm nach dem Tode des Vaters im Jahre 1780 die Papiermühle. In der Fachliteratur wird er als der "berühmte Papiermacher aus Seega" bezeichnet. Seine Frau gebar ihm 10 Kinder, davon starben 4 im Kindes- bzw. Jugendalter.

In der dritten Generation übernahm Sohn August Fister im Jahre 1808 die Papiermühle; verheiratet mit einer Frau aus Harzer Papiermühlen in Rammelburg. Sein "Spitzenprodukt" war Velin-Papier, das ist eine Papiersorte für Geldscheine. Sein Bruder Wilhelm wurde Müller in Hachelbich; sein weiterer Bruder Christoph wurde Müller in Uftrungen. Der Papiermüller August Fister verließ Seega und errichtete im preußisch gewordenen Artern eine Papiermühle, die er 1837/38 führte. Er begründete damit die Arterner Linie der Familie Fister.

Der Getreidemüller Fister, der sich in Hachelbich niedergelassen hatte, begründete die Sondershäuser Linie der Familie Fister.
In Artern errichtete in der nächsten Generation Friedrich Fister eine Windmühle auf dem dortigen Weinberg, scheiterte aber mangels Kundschaft. So ist es nicht verwunderlich, daß seine 6 Kinder andere Berufe ergriffen. So führte Franz Fister 1866 den Beruf eines Eisenbahners in die Familie ein, wurde Lokomotivführer und nach Paderborn versetzt. Auch diese Linie existiert noch heute und wer durch Paderborn spaziert, wird überall Fister´sche Bäckerei- und Konditoreigeschäfte finden.
Dessen Bruder Robert eröffnete in Artern im Jahre 1876 eine Schmiede. Sie übernahm sein Sohn Paul, dann Sohn Siegfried und seit 1996 Enkel Steffen Baumann - ein Schmiedebetrieb in der 4. Generation.

Die Fister-Eisenbahner arbeiteten ebenfalls in der 4. Generation in Artern und Nordhausen und Umgebung. Heute noch befährt Lokführer Klaus (Deutschen Bahn AG) den Kyffhäuserkreis. Andere Fister-Nachkommen wurden Bäcker, Kaufleute, Klempner usw. und verzogen nach Bretleben, Memleben, Berlin, Münster und Paderborn.

Ähnlich erging es den Nachkommen der Sondershäuser Linie. Sie wurden Forstangestellte, Kaufleute, Elektriker usw. In Sondershausen gab es Mitte der 50´er Jahre das Elektrogeschäft Otto Fister (heute Elektro-Krönig). Auch diese Nachkommen verzogen z.B. nach Bernburg, Halle , Leipzig, Hamburg, Kiel und einer sogar in das ferne Australien. Auf der Insel Tasmanien wohnt seit den 50´er Jahren Wilhelm Fister, jetzt Rentner, und befaßt sich auch mit der Ahnenforschung der Familie Fister im fernen Deutschland. In Sondershausen wohnt Rolf Fister, Rentner, der die Ahnenforschung seines Onkels und Bruders über die Familie Fister fortführt.


Rolf Fister, Sondershausen, mit seiner Frau

Beide Ahnenforscher wußten bis 1993 nichts von der Existenz des Anderen. Dann traf 1993 ein Brief aus Tasmanien in Sondershausen ein und durch Vergleich der bisherigen Forschungsergebnisse stellten Wilhelm und Rolf Fister fest, daß beide von den Papiermüllern aus Seega abstammen. Sie nahmen sich vor, trotz der großen Entfernung gemeinsam zu arbeiten. Das ist nicht immer leicht, denn die Luftpost benötigt oftmals 14 Tage für die Beförderung eines Briefes.
Wilhelm schlug vor, ein modernes Mittel zu benutzen, nämlich das Internet. Aber in Sondershausen fehlte ein entsprechender Anschluß. Durch Einschalten der Lokal- Redaktion der Thüringer Allgemeinen in Sondershausen erklärte sich der Internet-Anschlußinhaber Herr Ahrens aus Oberspier bereit, die Internet-Vermittlerfunktion zu übernehmen. Außerdem unterstützt Dr. Roskothen (Firma Multimedia PRo, EC-BIC Nordthüringen in Berka) die gemeinsame Arbeit zwischen Wilhelm Fister in Tasmanien und Rolf Fister in Sondershausen.

Weitere Fisters wohnen in Bad Frankenhausen und in Oberbösa. Ob auch sie von der Papiermühle in Seega abstammen, muß noch erforscht werden. Schwerpunkt ist z. Zt. festzustellen, wo im Jahre 1751 Johann Gottfried Fister, Papiermacher aus Königsberg, wirklich hergekommen ist.

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